Alternativen zu Kohlekraftwerken für SN Energie

Bei einer Besprechung mit Dr. Hefti, Verwaltungsratspräsident der SN Energie und Gemeindepräsident von Schwanden konnten am 24.11.08 die unterschiedlichen Ansichten über die Notwendigkeit von Kohlekraftwerken ausgetauscht werden.

Die Grünen Glarus haben bei dieser Besprechung SN Energie eindringlich gebeten, vom Engagement ins Kohlekraftwerk Brunsbüttel Abstand zu nehmen und ihre diesbezüglichen Gründe auch eingehend darlegen können. Dabei wurden anhand des Dokumentes im Anhang vorallem Möglichkeiten im Bereich der Energieeffizienz und der neuen erneuerbaren Energien aufgezeigt.

 

Vorschläge für SN Energie

Gemäss Informationen auf der Website snenergie.eu macht SN Energie einen jährlichen Energie­umsatz von rund 1.1 TWh. Damit liefert SN Energie ca. 2% des Schweizer Stromverbrauchs (zum Vergleich: EWZ liefert 5.5 TWh).

Die Beteiligung von 20 MW an Brunsbüttel dürfte ca. 0.12 TWh Bruttoenergie pro Jahr ergeben. Dies würde ca. 11% der bisherigen Verkaufsmenge entsprechen.

Wie könnte die Energie aus dem Kohlekraftwerk Brunsbüttel ersetzt werden?

 

Erneuerbare Energien

Ein sinnvoller Ausbau der erneuerbaren Energien sollte bis 2035 schweizweit eine zusätz­liche Stromproduktion von 10 TWh pro Jahr geben (BFE Szenario IV Variante E). Es wird dabei berücksichtigt, dass Biomasse, Wasser- und Windkraftwerken ökologische Grenzen, der Photovoltaik finanzielle und der Geothermie technische Grenzen gesetzt wird, welche einen rascheren Ausbau behindern.

Mindestens 2% dieser Menge sollte aus erneuerbaren Energien auf dem Gebiet der SN Energie erzeugt werden, also ca. 0.2 TWh pro Jahr.

 

Energie-Effizienz

Im oben erwähnten Energie Szenario IV des BFE sinkt die Nachfrage nach Elektrizität ab dem Jahr 2012 leicht und liegt im Jahre 2035 ca. 3% unterhalb dem Basisjahr 2000.

In den Kantonen GL, ZH, SG und TG (Versorgungsgebiet der SN Energie) beträgt der Anteil Elektroheizungen zwischen 2.3% (ZH) und 10.1% (GL). Gesamtschweizerisch werden pro Jahr mindestens 4 TWh in Ohmschen Widerstandsheizungen zu Raumheizungszwecken verbraucht. Dies entspricht mindestens 7% des Schweizerischen Stromverbrauchs. Nimmt man an, dass das Versorgungsgebiet der SN Energie gerade dem Schweizer Durchschnitt entspricht, können somit 7% von 1.1 TWh, also 0.077 TWh dem Elektroheizungsverbrauch zugerechnet werden (im Kanton Glarus ist dieser Anteil sogar höher, siehe oben).


Elektroheizungen können durch Wärmepumpen, Holz, Sonne oder konventionelle Systeme ersetzt werden. Auf jeden Fall ist eine gleichzeitige Sanierung der Gebäudehülle (Dämmung) sinnvoll. Würden alle Elektroheizungen durch Wärmepumpen mit einem COP von 3 ersetzt und keine Dämmmassnahmen durchgeführt, könnte der Stromverbrauch um 67% reduziert werden. Damit liegt das realisierbare Sparpotential bei rund 0.05 TWh. Dieses Sparpotential kann realisiert werden, wenn sich die SN Energie bei den Kanonen dafür einsetzt, dass eine Ersatzpflicht gesetzlich verankert wird. Alternativ kann das EW mit entsprechenden Förderbeiträgen den vorzeitigen Ersatz fördern (siehe Beispiel Altdorf). Elektroheizungen brauchen genau dann Strom, wenn die Wasserkraftwerke der SN Energie am wenigsten produzieren. Sie benötigen dadurch Winter-Bandenergie (in der Regel Atomstrom bzw. neu evtl. Kohle­strom).

Durch eine Umstellung von Elektroboilern auf Wärmepumpen-Boiler können im Versor­gungs­gebiet der SN Energie weitere 0.03 TWh eingespart werden. Beim Einsatz von Sonnen­kollektoren steigt die Einsparung weiter an. SN Energie kann sich wiederum dafür einsetzen, dass dies gesetzliche Pflicht wird oder Förderbeiträge zur Verfügung stellen.


Würde SN Energie im Bereich Beleuchtung (ausserhalb Haushalte), Haustechnik und Industrie­motoren einsteigen und 50% des dort identifizierten Sparpotentials im Versorgungs­gebiet realisieren (8.031 TWh * 2% * 50%) so können weitere 0.08 TWh an Verbrauch redu­ziert werden.
Entwickelt sich SN Energie zu einem Energiedienstleister, so kann sie beträchtliche weitere Potentiale aus der Stromeffizienz-Tabelle der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (SAFE) realisieren.

Zusätzlich zu Energiecontracting und Förderung des Ersatzes von Elektroheizungen und Elektroboiler könnte SN Energie auch gemeinsam mit den Partner-EWs die Stromtarife anpassen:

  • Generell keine Grundgebühren, alle Fixkosten werden variabel pro kWh verrechnet
  • Progressive Haushaltstarife, damit sparen attraktiv wird
  • Effizienzbonus für Nichthaushalte
  • Strom-Lenkungsabgabe mit Rückverteilung nach Vorbild Basel-Stadt, aber höhere Abgabesätze.

Diese Massnahmen dürften ebenfalls zu Einsparungen in der Grössenordnung von 150 GWh führen, dürfen aber nicht zu obigen Massnahmen addiert werden, da die Wirkung nicht additiv ist.

Vorschläge für weitere Massnahmen:

  • Subvention von "Standby-Killern" (Geräte zur automatischen Netztrennung oder analog "Click" des EWZ), z.B. 5'000 Stk. zu Fr. 25 anstatt Fr. 80. Wer sich zudem für mindestens 2 Jahre verpflichtet, keinen Atomstrom und keinen Kohlestrom zu beziehen (Aquapower oder naturemade), sollte das Gerät kostenlos erhalten.
  • Subventionierung von Wärmepumpen-Boilern und solarer Warmwassererzeugung z.B. mit Fr. 1'500 pro Stück.
  • Ersatz von Elektroheizungen subventionieren z.B. mit Fr. 3'000 pro Anlage.
  • 40% Subvention beim Ersatz von alten Haushaltsgeräten durch A++ Geräte z.B. bis max. Fr. 2'000 pro Haushalt.
  • Hauptsponsor für Projektideen-Wettbewerb zum Ausbau der Stromerzeugung aus neuen erneuer­baren Energien im Versorgungsgebiet der SN Energie.
  • Eigener Fonds schaffen zur kostendeckenden Vergütung von Strom aus neuen erneuerbaren Energiequellen.

 

Zusammenstellung: Wirkung der Massnahmen im Versorgungsgebiet

 

Ersatz Elektroheizungen durch Wärmepumpen (ohne Isolation)  50 GWh/a
Ersatz Elektroboiler durch Wärmepumpen-Boiler 30 GWh/a 
Reduktion Standby Verluste in Haushalt und Industrie / Gewerbe  40 GWh/a
Förderung effiziente Beleuchtung im Haushalt 20 GWh/a 
Total Energieeffizienz (im Versorgungsgebiet)
140 GWh/a  

   
Energiecontracting Beleuchtung, Haustechnik, Industriemotoren  80 GWh/a
Zubau erneuerbare Energien analog anderen EV bis 2035  200 GWh/a
Zubau erneuerbare Energien ausserhalb Versorgungsgebiet  
unlimitiert
   
Zum Vergleich:  
Beteiligung Kohlekraftwerk Brunsbüttel 120 GWh/a 
Energieüberschuss (Handel) 2006/07 300 GWh/a