Finanzkrise – haben wir ein Problem mit unserem Geld?
An einem von den Grünen Glarus Nord organisierten Vortrag informierte ein Geldexperte von INWO am 12.11.09 über akute Probleme in unserem Geldsystem und skizzierte Lösungsmöglichkeiten.
Der Basler Geldexperte Pierre Güntert legte zu Beginn seines Referates dar, dass eine zentrale Ursache von Finanzkrisen, Existenzängsten und Hoffnungslosigkeit in unserem Geldsystem und in der Eigentumsfrage des Bodens begründet sind. In der Folge ging er speziell auf die Probleme des Geldsystems ein: Geld werde gleichzeitig als Tauschmittel, Wertmassstab und Wertaufbewahrungsmittel eingesetzt. Ein Tauschmittel müsse "fliessen", möglichst häufig umgesetzt werden, während ein Wertaufbewahrungsmittel eben gerade nicht fliesse. Diese Diskrepanz führe zwangsläufig zu Probemen.
Alternative Formen des Geldes
Eine Lösungsmöglichkeit bestünde darin, durch Schaffung von Komplementär- oder Regionalwährungen und geldlose Tauschformen (Zeitbörsen) die Funktionen "Tauschen" und "Aufbewahren" des Geldes zumindest in Teilbereichen zu entkoppeln. Er zeigte eine Reihe von erfolgreichen Beispielen von sog. Regiowährungen, mit denen auch die lokale Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden konnte.
Negative Zinsen
Als weitere Lösungsmöglichkeit erwähnte der Referent negative Zinsen beim Geld zuzulassen und nur langfristige Anlagen mit positiven Zinsen zu belohnen. "Herumliegendes" Geld würde an Wert verlieren und deshalb vom Besitzer so rasch wie möglich wieder ausgegeben: es würde fliessen. Es sei allerdings seiner Meinung nach unwahrscheinlich, dass negative Zinsen auf dem Schweizer Franken in absehbarer Zeit eingeführt werden könnten. Veränderungen müssten "von unten" kommen und in den Regionen realisiert werden.
Die (hohen) Zinsen seien verantwortlich für den konstanten Wachstumszwang in unserer Wirtschaft. Jedes natürliche System wachse nur bis zu einer optimalen Grösse. Das exponentielle Wachstum der Wirtschaft führe aber trotz beschränkten natürlichen Ressourcen zu einem ständigen, immer schnelleren Wachstum zu unendlicher Grösse. Krisen und Crashes würden dieses Ungleichgewicht jeweils wieder für eine bestimmte Zeit korrigieren. Die Leidtragenden der Krisen seien aber in den wenigsten Fälle diejenigen, welche vorher vom Wachstum profitiert hätten. Als Beispiel für die Folgen der Zinseszins-Problematik zeigte der die immer extremer werdende Ungleichverteilung der privaten Vermögen in der Schweiz.
Schaffung einer Monetative
Als weiteren Ansatzpunkt nannte Güntert die Schaffung einer sogenannten Monetative, welche analog Judikative, Legislative und Exekutive zu einer vierten, unabhängigen Kraft im Staat würde. Die Monetative wäre für die Geldmengensteuerung verantwortlich und würde u.a. neues Geld schaffen. Als positiven Nebeneffekt kämen auch die Gewinne der Geldschaffung der Allgemeinheit und nicht mehr den privaten Banken zugute. Die Defizite der öffentlichen Hand liessen sich dadurch verkleinern.
Angeregte Diskussion - was können wir im Glarnerland tun?
Die anschliessende Diskussion mit den Zuhörern war sehr engagiert und zeigte, dass viele zu einem besseren System beitragen möchten, sich aber oft ohnmächtig fühlen. Güntert ermunterte zu regionaler Aktivität: Der Wandel müsse bei uns beginnen. Es wäre falsch, nur zu hoffen, dass andere die Veränderungen für uns realisieren würden.
Nach der Veranstaltung formierte sich spontan eine Gruppe von Zuhörern, welche die angesprochenen Alternativen fürs Glarnerland näher prüfen möchte. Weitere Interessenten können sich gerne bei uns melden.
Weiterführende Links:
- Folien / Overheads vom Vortrag
- Initiative für eine natürliche Wirtschaftsordnung INWO
- Initiative für eine unabhängige Monetative

Ann-Kristin Peterson dankt Pierre Güntert im Namen der Grünen Glarus Nord für den interessanten Abend.
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