Glarus braucht kein Strom aus Kohle

Antwort der Grünen Glarus an Hr. Dr. Hefti, Gemeindepräsident von Schwanden und VR-Präsident von SN Energie zu seinen Aussagen in der Zeitung Südostschweiz vom 11.11.08.

Glarus braucht kein Strom aus Kohle

Der Bundesrat hat 2007 in seiner Neuausrichtung der Energiepolitik für die Schweiz folgende Prioritäten gesetzt: 1. Energieeffizienz, 2. erneuerbare Energien, 3. Grosskraftwerke und mit niedrigster Priorität Energieimporte. Die Schwandner SN Energie (SNE) setzt hingegen die Prioritäten gerade umgekehrt: Sie will «mangels Alternativen» ausgerechnet Kohlestrom aus Norddeutschland importieren. Die Steinkohle für das Werk soll übrigens aus Südamerika kommen.

Alle ernst zu nehmenden Studien zeigen, dass der Stromverbrauch im Kanton Glarus mit bereits heute verfügbaren Technologien um rund einen Drittel reduziert werden könnte. Die Hälfte des Sparpotentials liegt bei Industrie- und Kommunalbetrieben, die andere Hälfte (17.5%) in Privathaushalten. Im privaten Bereich leisten folgende Massnahmen die grössten Beiträge: Ersatz von Elektroheizungen durch Wärmepumpen (6%), effizientere Haustechnik (3%), effizientere Haushaltgeräte (2.5%), Austausch von Elektroboilern mit Solar- oder Wärmepumpensystemen (2%), effizientere Beleuchtung (2%), Eliminierung des Standby-Verbrauchs (2%).
Die Strommenge, welche eingespart werden könnte, ist zwei bis drei Mal grösser als die Strommenge, welche SN Energie aus Kohlekraft beziehen will.
Es gibt in der Schweiz einige Beispiele von Energieversorgern, welche oben erwähnte Massnahmen zur Effizienzsteigerung durch hohe Förderbeiträge aktiv unterstützen. Warum gehört SNE nicht dazu? Hat man vielleicht kein Interesse an einem niedrigeren Stromverbrauch?

Bei der aktuellen Diskussion um Schweizer Beteiligungen an schmutzigen Kohlekraftwerken in Deutschland bemühen die betroffenen Stromversorger die alte Litanei vom «ungenügenden Angebot» an erneuerbaren Energien. Dass sie selbst dafür mitverantwortlich sind, wird dabei gerne ausgeblendet. Ein konkretes Beispiel ist die Glarner Solarstrombörse: Diese findet nämlich nicht genügend Abnehmer für den Solarstrom und muss laufend Interessierte abweisen, welche Solaranlagen bauen möchten. Gleichzeitig beklagt die Glarner SNE den Mangel an Solarstrom! Ist dies nicht absurd? Warum kauft SNE nicht wenigstens den bereits vorhandenen Solarstrom?

Selbst wenn SN Energie in den kommenden Jahren ihren Anteil an Strom aus neuen erneuerbaren Energien (Holz, Biomasse, Sonne, Wind, Erdwärme) von heute 0.1% um den Faktor Hundert auf 10% steigern würde, hätte dies bei Aufteilung der Mehrkosten auf die gesamte Strommenge eine Preiserhöhung von maximal 3 bis 4 Rp. pro kWh zur Folge. Für einen durchschnittlichen Glarner Haushalt würde dies 19 Franken pro Monat ausmachen.
Schon heute bestehen zwischen den einzelnen Gemeinden ähnlich grosse Strompreisunterschiede, ohne dass deswegen Teile der Bevölkerung oder Gewerbebetriebe abgewandert wären (zum Beispiel Winter Hochtarif in Mollis 20, aber in Niederurnen und Näfels 16 Rp./kWh).

Dieser Mehrpreis hätte auch positive volkswirtschaftliche Konsequenzen für den Kanton Glarus, denn die Produktionsanlagen müssten durch regionale Firmen gebaut und gewartet werden: Das Geld bliebe in der Region und würde nicht wie bei Strom aus Kohle ins Ausland geschickt. Die Abnahme von Strom aus den neuen erneuerbaren Energiequellen wäre deshalb gleichzeitig regionale Wirtschaftsförderung.
Muss ein Unternehmen, welches zu 100% den Gemeinden gehört, nur möglichst billigen Strom liefern - ohne Rücksicht auf die politischen Zielsetzungen im Energiebereich? Darf man von den Gemeinden als Aktionäre nicht eine gesamtheitliche Betrachtung erwarten?

Es fehlt am Willen

"Wo ein Wille, da ein Weg", lautet ein bekanntes Sprichwort. Das Gegenteil gilt natürlich ebenfalls. Andere Stromproduzenten machen es vor: Das EW Zürich als zweitgrösster Stromlieferant der Schweiz will in Zukunft weder Atomstrom noch Kohlestrom. Es setzt stattdessen auf Effizienz und erneuerbare Energien.
Weshalb findet die Glarner SNE keine Alternativen zu Kohlekraftwerken während das viel grössere EWZ in Zukunft weder Atomstrom nach Kohlestrom will?

Grüne Glarus, der Vorstand

Dieser Leserbrief wurde am 20. November in gekürzter Form in der Südostschweiz publiziert.