Wirtschaftliche Bedeutung Flugplatz Mollis

Interview von This Zopfi mit Jürg Rohrer (Publiziert im Greeninfo Glarnerland Nov. 2008)

Die Grünen Glarus Nord haben sich bisher vor allem für eine Beibehaltung des Flugbetriebes in Mollis auf dem heutigen Stand eingesetzt. Ist dies Eure Hauptpriorität?
Nein, keinesfalls. Wir hatten seit unserer Gründung Anfangs dieses Jahres eine ganze Reihe von weiteren Aktivitäten, wie z.B. Unterschriftensammlungen für Initiativen, Standaktionen vor Abstimmungen, Tag der Sonne, Gemeindebegegnungen, Energieprojekte, Gemeindestrukturreform Glarus Nord, Aufbau eines Intranets und eines eigenen Web-Auftritts, usw. Unser Widerstand gegen einen Ausbau des Flugplatzes war vermutlich nur am besten sichtbar in der Öffentlichkeit.

Was stört Dich denn am meisten an den Ausbauplänen für den Flugplatz Mollis?
Die geplante Sperrung des Rollfeldes für die Bevölkerung, sowie der mit der geplanten Verdoppelung der Anzahl Flüge verbundene zusätzliche Lärm. Mich persönlich ärgert zudem das Vorgehen und die Argumentation der Regierung.

Dich ärgert die Argumentation der Regierung?
Man glaubt die Leute mit dem Versprechen von neuen Arbeitsplätzen kaufen zu können. Dabei kann niemand glaubhaft erklären, wie diese Arbeitsplätze entstehen sollen.
Die Projektleitung "Zukunft Flugplatz Mollis" behauptet, der Flugplatz sei ein Standortvorteil für den Kanton, weil Manager ab Mollis zu geschäftlichen Terminen fliegen könnten. Dies soll die Ansiedlung von sog. High-Tech-Betrieben erleichtern.

Fast eine Konkurrenz zum Flughafen Zürich?
Mal abgesehen vom ökologischen Unsinn solcher Flüge ist die Realität eine andere: In Mollis kann nur bei schönem Wetter geflogen werden. Geschäftliche Besprechungen finden aber bekanntlich bei jeder Witterung statt. Wer kann es sich leisten, einen Geschäftstermin an die Wetterbedingungen in Mollis zu knüpfen? - Die Argumentation mit dem Standortvorteil ist weltfremd.
Wer davon ausgeht, dass wegen dem "Standortvorteil" des Schönwetter-Flugplatzes Mollis im Kanton Glarus High-Tech-Betriebe angesiedelt werden könnten, weiss entweder nicht wovon er spricht oder will die Bevölkerung bewusst an der Nase herumführen.

Werden in Mollis nicht auch viele Flugzeuge gewartet?
Nur Helikopter. Entgegen der landläufigen Meinung werden in Mollis keine Flächenflugzeuge, sondern ausschliesslich Helikopter gewartet.

In der Zeitung war kürzlich die Rede vom Bau von neuen Helikoptern...
Bisher gibt es noch nicht einmal einen Prototypen. Falls dieses Projekt jemals realisiert werden sollte, wird es also noch eine Zeit dauern. Und zudem: Wozu braucht ein Helikopter eine Landepiste?

Wie meinst Du das?
90% der Arbeitsplätze auf dem Flugplatz sind direkt mit dem Helikopter-Business verbunden und somit unabhängig von einer Lande-Piste. Die Helikopter-Betriebe sind von der Übergabe des Flugplatzes vom Militär an den Kanton Glarus nur am Rande betroffen, da die für Helikopter benutzte Infrastruktur bereits im Besitze der entsprechenden Firmen ist. Die Heli-Betriebe könnten selbst bei einer Schliessung der Piste problemlos weiterhin tätig sein.
Die Projektleitung argumentiert mit der "wirtschaftlichen Bedeutung" und dem "Standortvorteil" des Flugplatzes für den Kanton. Damit soll ein Ausbau der Anzahl Flüge mit Flächenflugzeugen gerechtfertigt werden. Dabei haben wirklich nur die Heli-Betriebe eine wirtschaftliche Bedeutung - diese brauchen die Piste aber gar nicht.

Wer benützt denn die Flugpiste in Mollis?
Gemäss der Statistik der letzten Jahre sind dies zu mehr als 95% Hobbyflieger.

Soll nun die Freizeit-Fliegerei ausgebaut werden?
Offiziell spricht man natürlich immer von Wirtschaft und Business (lacht). Eine "hohe Wertschöpfung" soll generiert und Arbeitsplätze geschaffen werden. Die üblichen Schlagwörter, welche langsam aber sicher langweilen. Wie und wo Arbeitsplätze im Zuammenhang mit der Flugpiste in Mollis nun konkret entstehen sollen, kann niemand sagen.

Wie siehst Du die Zukunft des Flugplatzes?
Ein Flugbetrieb auf dem heutigen Stand wäre wohl für die meisten Anwohner akzeptabel. Dabei muss aber das Rollfeld offen bleiben für die Bevölkerung. Wir fordern zudem ein direktes demokratisches Mitspracherecht der Bevölkerung bei der Festsetzung der maximalen Anzahl Flüge pro Jahr.

Ist denn ein wirtschaftlicher Betrieb des Flugplatzes im heutigen Rahmen möglich?
Ja absolut. Sogar der Flugplatzverein als heutiger Betreiber bestätigt, dass dies problemlos möglich ist.
Erst wenn man den Flugplatz auch im Winter jederzeit offen halten will, einen vollamtlichen Flugplatzleiter anstellt, neue Büros baut, usw. werden die Kosten hoch. Vermutlich aufgrund solcher Annahmen ist die Projektleitung "Zukunft Flugplatz Mollis" zur Schlussfolgerung gelangt, dass man den Flugbetrieb unbedingt ausbauen müsse. Dieser Ausbau ist leider in der Zwischenzeit zu einem sakrosankten Ziel geworden.

Riskiert Ihr nicht, als Verhinderer von Arbeitsplätzen dargestellt zu werden?
Dieses Argument kommt immer. Wer so argumentiert, muss aber zuerst einmal kausale Zusammenhänge zwischen neuen Arbeitsplätzen und dem Betrieb der Flugpiste glaubhaft machen. Wie bereits erwähnt kann niemand sagen, wie angeblich 80 - 120 Arbeitsplätze direkt oder indirekt durch die Flugpiste entstehen sollen. Es handelt sich um reines Wunschdenken!
Zu einem attraktiven Standort gehört auch eine intakte Umwelt. Die Polemik "Umwelt gegen Wirtschaft" wird immer wieder bemüht. Es geht nicht um ein "Entweder-oder", sondern um das richtige Mass. Wirtschaftlich kann das Glarnerland als Bergtal nie eine "Grossmacht" werden, deshalb sollte man den unbestreitbaren Vorteilen wie Ruhe, intakte Natur und damit verbunden der hohen Lebensqualität Sorge tragen.
Wenn wir im Kanton Glarus Tätigkeiten unbegrenzt zulassen oder fördern, welche wie die Fliegerei besonders grosse Lärmimmissionen verursachen, sägen wir letztendlich am Ast, auf dem wir sitzen!

Wie könnte man Deiner Meinung nach die wirtschaftliche Situation im Kanton verbessern?
Die Veränderungen auf dem Energiemarkt bieten grosse Chancen für Glarus. Es gibt hier z.B. viele Gebäude, welche in Bezug auf Heizung und Warmwassererzeugung veraltet sind. Mit einem gezielten Förderprogramm für die Steigerung der Energieeffizienz und der Anwendung von neuen erneuerbaren Energien bei Gebäuden könnte das lokale Gewerbe effizient gefördert werden. Wenn dies rasch an die Hand genommen wird, könnte damit ein eigentlicher Aufschwung im ganzen Kanton ausgelöst werden. Das Potential ist vorhanden, die lokalen Firmen sind bereits vorhanden, der Kanton müsste nur die entsprechenden Anreize setzen...

 

Studie wirtschaftliche Bedeutung Flugplatz Mollis

Eine diese Woche veröffentlichte Studie bestätigt die oben gemachten Angaben fast vollumfänglich. Die wirtschaftliche Bedeutung wird zwar durch Anrechnung von Nebenerwerbstätigkeiten der Hobbyflieger so weit wie nur möglich aufgebauscht und die Anzahl Arbeitsplätze etwa ein Drittel höher angegeben als sie wirklich sind.

  • Man spricht nun nicht mehr von 150 neuen Arbeitsplätzen, sondern im Idealfall von 20 - 40 neuen Arbeitsplätzen. 
  • Ein wirtschaftlicher Betrieb des Flugplatzes sei nur durch dauerhafte Subventionierung und massive Investitionen des Kantons möglich. Ursprünglich war die wirtschaftliche Eigenständigkeit eine vom Kanton genannte Bedingung. Daran will aber bestimmt niemand mehr erinnert werden...
  • Wertschöpfung und Arbeitsplätze wird nicht durch die Flächenflugzeuge, sondern durch Helikopter und das sog. Aircraft Management generiert. Zusammen sind diese aber nur für etwa 25% der Flüge verantwortlich.
  • Ausbau-Potential mit nennenswerter Wertschöpfung besteht nur im Aircraft-Management, dies verursacht nur ganz wenige Flüge pro Jahr. Selbst eine Verdoppelung beim Aircraft-Management wäre bei den Flugbewegungen kaum spürbar.

Die immer wieder gemachte Aussage "es braucht mehr Flugbewegungen auf dem Flugplatz Mollis um den Flugplatz wirtschaftlich betreiben zu können" ist deshalb falsch und irreführend. Dies zeigt die Studie klar und deutlich.

Eine offizielle Stellungnahme der Grünen Glarus Nord zur Studie befindet sich hier